31.03.2021: Statement zur aktuellen Lage in der katholischen Kirche

Vorstand und Geschäftsführung des SkF äußern sich in einem Statement zur aktuellen Lage in der katholischen Kirche.

„Wenn aber jemand eins dieser Kleinen, die an mich glauben, zu Fall bringt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde.“ (Mt 18,6)

Ein Mahnmal für Opfer von Missbrauch mit dieser Inschrift steht seit 2019 im Vatikan und hat nichts von seiner Aktualität verloren.

Warum muss erst ein Gutachten zum Umgang mit sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche dazu führen, dass Verantwortung übernommen wird?
Warum wurde jahrelang ein verstörendes System der Tabuisierung von Sexualität, des Missbrauchs von Macht und der gezielten Vertuschung zugelassen?
Warum fehlt es – so der erschreckende Eindruck in der Öffentlichkeit – an Empathie und der Bereitschaft, Verantwortung für die Auswirkungen auf das Leben der betroffenen Kinder und Jugendlichen zu übernehmen und das zeitnah und nachhaltig und getragen von einem glaubhaften Verständnis für Schuld, Verzeihung, Vergebung und vor allem Gerechtigkeit?

Zehn Jahre des Ausweichens und der Ablenkung sind unerträglich.

Warum gibt es noch immer keine konsequente Gewaltenkontrolle, eine lebensbejahende und lebensnahe Sexualmoral, Entklerikalisierung und Geschlechtergerechtigkeit in unserer Kirche?
Wo bleiben die Stimmen der Unbescholtenen, die sich nichts haben zu Schulden kommen lassen, die jetzt aufstehen sollten und all das Versäumte einfordern?
Wann lässt man uns, das Volk Gottes, endlich das Heutig-Werden, das Aggiornamento des 2. Vatikanums, das der damalige Papst Johannes XXIII eingefordert hat, verwirklichen?
Was machen wir dagegen?

Der SkF Kiel ist ein Frauenfachverband in der katholischen Kirche, er ist Ort kirchlichen Lebens und auch er stellt sich seiner Vergangenheit. Wir wollen nicht außer Acht lassen, dass es in der Vergangenheit eine dunkle Seite der katholischen Heimgeschichte gab. In unserer Einrichtung beschäftigen wir uns seit Jahren mit den schwierigen Themen Gewalt und Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen. Wir leben die von uns entwickelten Präventionskonzepte, die immer wieder überarbeitet und optimiert werden und lassen uns engmaschig begleiten von anerkannten, autorisierten Fachstellen wie dem Kinderschutzzentrum Kiel oder der Petze. So haben wir auch an dem bundesweiten Modellprojekt 2015 – 2020 (BeSt – Beraten und stärken) zum Schutz von Mädchen und Jungen mit Behinderung vor sexualisierter Gewalt in Institutionen teilgenommen und im Anschluss Mitarbeitende entsprechend weitergebildet um das Thema regelmäßig bearbeiten und vor allem Kinder und Jugendliche stärken zu können.
Wir lassen nicht nach in dem Bemühen, aufmerksam, wachsam und vor allem achtsam zu bleiben, um Gewalt und Missbrauch in unserer Einrichtung keine Chance zu geben. Grundlage bildet dabei ein respektvoller Umgang und ein professionelles Verhalten welches das Wissen um ein jeweils angemessenes Verhältnis von Nähe und Distanz aber auch um die Gefahren von Unter- oder Überforderungssituationen beinhaltet.
Die Kenntnisse von Beratungs- und Beschwerdewegen den bei uns lebenden Kindern und Jugendlichen zugänglich und vertraut zu machen und den Mitarbeiter_innen eine Kultur des Hinsehens und Aussprechens zu ermöglichen ist unser Ziel.
Schutzkonzepte sind letztlich nur dann wirklich alltagstauglich, wenn sie mit denen besprochen und gelebt werden, an die sie sich richten.

Zum Einstieg zurück, das wäre ein Anfang:

„Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte“ (Mt 18,2)

Statement zur aktuellen Lage in der katholischen Kirche (31.03.21)
Vorstand und Geschäftsführung des SkF e.V. Kiel