„Bindung? Aber sicher!“ Erfolgreiche SkF e.V.-Tagung

Sehr gut besucht war die erste Fachtagung des Sozialdienstes katholischer Frauen e.V. Kiel in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Kiel. 400 Menschen aus dem sozialen, pflegenden und helfenden Bereich haben im Hörsaal der FH die Vorträge der qualifizierten Referenten verfolgt. Foto Ruske

SkF-Fachbereichsleiterin Andrea Borowski (rechts) und Dr. Ariane Schorn, Professorin an der FH Kiel, haben gemeinsam die Fachtagung zum Thema „Bindung? Aber Sicher!“ auf die Beine gestellt. Foto Ruske

Das Team der Intensiven Ambulanten Hilfen des SkF e.V. Kiel hat zum ersten Mal eine Fachtagung ausgerichtet - und diese war sehr erfolgreich.

 

„Sehr gelungen und sehr informativ“: Das war das positive Fazit der Fachtagung, die das Team der Intensiven Ambulanten Hilfen des SkF e.V. Kiel unterstützt von Mitarbeiter_innen aus den Beratungsstellen und der Verwaltung zusammen mit Prof. Dr. Ariane Schorn (Fachhochschule Kiel) auf den Weg gebracht haben. Die Vortragsveranstaltung, zu der unter dem Titel „Bindung? Aber sicher!“ eingeladen wurde, lockte gut 400 Zuhörer in den Hörsaal der FH in Dietrichsdorf.

„Wir haben weit mehr Anfragen gehabt, als wir Plätze zur Verfügung hatten“, freut sich SkF-Fachbereichsleiterin Andrea Borowski über den großen Zuspruch, der mit der Fachtagung erreicht wurde. Aus ganz Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern waren Sozialpädagog_innen, Erzieher_innen, Einrichtungsleiter_innen und Mitarbeitende im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe nach Kiel gereist, um sich von hochqualifizierten Referenten wie Prof. Dr. Katja Nowacki aus Dortmund, Prof. Dr. Lieselotte Ahnert aus Wien und Prof. Dr. Gerhard Suess aus Hamburg unter dem Oberbegriff „Bindungsorientierung als Qualitätsmerkmal in der Kinder und Jugendhilfe“ über neueste Erkenntnisse der Bindungsforschung in verschiedenen pädagogischen Arbeitsfeldern zu informieren. „Wir wollen über den Tellerrand der einzelnen Fachdisziplinen schauen“, erklärt Dr. Ariane Schorn. „Wir möchten den Teilnehmern zeigen, welche neuen Zugänge Bindungswissen in der Kinder- und Jugendhilfe eröffnen und welche Konsequenzen sich durch das Wissen über Bindungsorientierung für das eigene professionelle Handeln ergeben“, sagt sie weiter. Auf einem Markt der Möglichkeiten konnten sich die Teilnehmer zudem über verschiedene Vereine und Einrichtungen und deren bindungsfördernde Ansätze im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe informieren.

„Das Thema Bindung ist ein sehr wichtiges in unserer Arbeit“, sind sich alle Fachleute einig. „Eine sichere Bindungsorganisation, die auf feinfühlige Beziehungserfahrungen mit zentralen Bezugspersonen fußt, hat deutliche Entwicklungsvorteile für Kinder und Jugendliche“, erklärt auch Andrea Borowski. Aus dem liebevollen, fürsorglichen Umgang der Eltern mit ihren Kindern resultiert „das Urvertrauen“ der Kleinen. Ist die Bindung gestört, hat das Auswirkungen auf die psychologische Stabilität der Kinder, was sich im Verhalten zeigen kann. Aber auch das Selbstbewusstsein der Kinder leide und nicht zuletzt hat dies Auswirkungen auf die eigenen Fähigkeiten des Nachwuchses, Beziehungen einzugehen. „Hier setzen z.B. Maßnahmen der Frühen Hilfen an, die den Aufbau einer sicheren Eltern-Kind-Bindung zum Ziel haben“, sagt Prof. Dr. Ariane Schorn, die als erste Referentin die Tagung eröffnete.

Aber nicht nur auf die Bindung von Eltern und Kindern komme es an, erklärt die Professorin weiter. „Bindung“ beziehungsweise „sichere und verlässliche Beziehungen zu Kindern und Jugendlichen“ sind auch für Fachkräfte in sozialen, pflegenden und helfenden Berufen ein wichtiges Thema. Sie können zu wichtigen Bezugspersonen für Kinder und Jugendliche werden, zu Vorbildern, die Interesse zeigen und Mut machen, egal, ob es sich um Kindergartenkinder oder Kinder in stationären Einrichtungen handelt. „Auch Kinder und Jugendliche mit negativen Bindungserfahrungen können hiervon profitieren, da das Bindungssystem zeitlebens offen für neue Bindungserfahrungen und somit Veränderungen bleibt“, sagt Dr. Ariane Schorn. Dabei zeigt es sich als überaus hilfreich, wenn die eigenen Bindungserfahrungen von Mitarbeitern reflektiert werden und diese über eine hohe Beziehungs- und Interaktionskompetenz verfügen. Um auch langfristig eine solch anspruchsvolle bindungsorientierte Arbeit mit z.T. hochbelasteten Menschen leisten zu können, brauchen Mitarbeiter_innen der Kinder- und Jugendhilfe ihrerseits eine sichere Basis und geeignete Rahmenbedingungen und Unterstützung durch entsprechende Fortbildungen wie Supervision. (JR)